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Wie sich Großhändler HANOS auf das Plastikverbot 2021 vorbereitet

(Lesezeit: +- 8 Minuten)

In unserer neuen Blogserie Walk the Talk Einblicke, interviewen wir Menschen aus der Gastronomie und dem Gastgewerbe, die aktive Maßnahmen für Nachhaltigkeit ergreifen. Plastikverpackungen, Lebensmittelabfälle und CO2-Emissionen… das Thema beschäftigt die gesamte Branche. Es gibt viele Möglichkeiten und Lösungen, aber auch einige Dinge, auf die wir alle stoßen. Nachhaltige Lösungen können wir nur gemeinsam erreichen, deshalb führen wir Gespräche mit diversen Fachleuten, die bereits einen Schritt in die richtige Richtung gegangen sind. Wohin bewegt sich die Branche und was können wir alle erwarten?

 

WALK THE TALK #1 - Im Gespräch mit HANOS über nachhaltige Innovation in der Gastronomie

Wir besuchten William van den Hout, Einkäufer im Non-Food-Bereich bei HANOS. HANOS ist eine der größten Ketten in den Niederlanden, in der Gastronomie-/Gastgewerbefachleute ihre Einkäufe erledigen. Jede kleine Änderung, die sie umsetzen, kann eine große Wirkung haben. Da William durch seine Arbeit viel Einfluss hat und das Marktgeschehen hautnah miterlebt, haben wir mit ihm über Nachhaltigkeit in der Gastronomie gesprochen.

hanos plasticvrij(William van den Hout, Category Manager Non-Food bij HANOS. Bildrechte: Monika Vaskorova)

 

William, als Einkäufer bei HANOS haben Sie einen umfassenden Einblick in das Marktgeschehen. Welche wichtigen Trends beobachten Sie?

Es gibt definitiv viele Entwicklungen in meinem Bereich Einwegartikel und Verpackungen! Seit die Plastiksuppe-Diskussion in Gang gekommen ist, sucht die Gastronomie intensiv nach nachhaltigen Lösungen, aber man merkt, dass noch viele Fragen im Umlauf sind. Zum Beispiel werde ich oft nach „biologisch abbaubaren“ Alternativen gefragt. Aber ist das notwendig? Ich versuche, das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten. Ist die Alternative aus natürlichen Materialien, wo werden die Produkte hergestellt und unter welchen Bedingungen?

Auf der Angebotsseite ist Nachhaltigkeit schon seit Jahren ein Thema, aber wir merken erst seit kurzem, dass es auch für unsere Kunden schnell zum Thema wird. Immer mehr nachhaltige Alternativen für Plastik tauchen in unseren Regalen auf, aber vorerst hat Plastik noch einen Platz in den Regalen. Als Großhandelsunternehmen antizipieren wir die Nachfrage unserer Kunden, und noch nicht jeder Kunde ist bereit, den Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu wagen. Aber ich denke, dass Sie als Großhandelsunternehmen eine Vorreiterrolle haben, daher suchen wir sehr aktiv nach vielen verschiedenen nachhaltigen Alternativen, um das Leben unserer Kunden zu erleichtern.


Warum entscheiden sich einige Gastronomieunternehmer/Geschäftsinhaber immer noch für Plastik?

Ein bestimmtes Segment setzt weniger auf Nachhaltigkeit und wird so lange wie möglich auf Plastik verzichten, bis ein Verbot eingeführt wird. Danach wechseln sie zu einer Alternative. Sie müssen damit umgehen, das zu durchbrechen, was die Leute gewohnt sind. Das braucht Zeit. Eine Cafetaria, die Milchshakes verkauft, wird zum Beispiel immer noch Plastikstrohhalme anbieten, weil sie sich mit Papierstrohhalmen als Alternative nicht zufrieden geben. Aber das Verbot wird kommen, also wird die Alternative folgen. In ein paar Jahren werden wir es nicht anders kennen. Sagen wir, Papierstrohhalme werden DIE Alternative. Daran werden wir uns bald alle gewöhnt haben, und wir werden uns nicht daran erinnern können, dass wir jemals Plastikstrohhalme benutzt haben. Nehmen Sie das Rauchverbot in Bars. Das ist eine Entwicklung von vor 15 Jahren. Damals gab es viel Aufhebens darum, aber heute kennen wir es nicht anders.


Das sehen wir bei Straw by Straw auch, aber auch eine stetig wachsende Gruppe, die aktiv nach nachhaltigen Lösungen sucht.

Es wird immer ein Segment geben, das bei Plastik bleibt, aber wir merken jetzt, dass auch viele Foodservice-Unternehmen eine Vorreiterrolle einnehmen. Getan! Keine Diskussion! Auch diese Kunden erwarten von uns ein breites Angebot an nachhaltigen Lösungen. Daran arbeiten wir derzeit mit Hochdruck. Ein unvorhergesehener Umstand ist, dass wir fast doppelt so viel Regalfläche für Verpackungen und Einwegartikel benötigen, weil wir alle unsere Kunden bedienen können müssen! Wir arbeiten bereits daran, die Produkte abzubauen, die 2 verboten werden. Sobald das Verbot in Kraft tritt, werden wir nur noch nachhaltige Lösungen verkaufen.

„Wir arbeiten bereits daran, die Produkte abzubauen, die 2021 verboten werden. Sobald das Verbot kommt, werden wir nur noch nachhaltige Lösungen verkaufen.“

In der Verpackungsindustrie gibt es verschiedene Innovationen. Zum Beispiel gibt es eine Gruppe, die Menschen ermutigen möchte, Essenskartons mitzubringen, oder Unternehmen, die essbare Varianten herstellen … und auch Menschen, die um Nullverpackung betteln! Glaubst du nicht, dass wir an einem bestimmten Punkt komplett auf Einwegartikel verzichten müssen?

Nein, im Gegenteil. Gerade in der Kategorie Einwegartikel sieht man, dass die Nachfrage immer weiter steigt. Das hat mit anderen Trends auf dem Markt zu tun, wie der Lieferung von Mahlzeiten und der zunehmenden Popularität von Festivals (bei denen es Foodtrucks gibt). Aber eine saubere Umwelt beginnt auch bei Ihnen als Individuum. Müllvermeidung beginnt letztendlich beim Endverbraucher. Egal, ob Sie einen Plastik- oder Kartonbehälter haben, Sie werfen ihn in den Müll und nicht auf die Straße. Hier fängt es an. Insbesondere sehe ich Verschiebungen von Plastik zu Alternativen wie Papier, Bambus und Zuckerrohr.

 

Karton- und Papierkaffeetassen werden manchmal kritisiert, weil es eine Beschichtung gibt, die oft aus Kunststoff oder PLA besteht. Wie ist Ihre Meinung dazu und welche Entwicklungen sehen Sie?

Plastikbecher werden immer häufiger durch Pappbecher ersetzt, sogar mit Beschichtung. Im Recyclingprozess ist es nicht einfach, diese Kunststoffbeschichtung vom Papier zu trennen. Also… ist ein Pappbecher tatsächlich nachhaltiger als ein Plastikbecher? In diesem Bereich sehe ich immer mehr Innovationen rund um Pappbecher, zum Beispiel mit wasserbasierten oder PLA-Beschichtungen.


PLA? Das ist interessant, denn das ist auch ein Material, das oft kritisiert wird…

Es ist noch nicht klar, ob PLA unter dem Begriff „nachhaltig“ verkauft werden kann. Während PLA kompostierbar ist, fällt PLA in der Abfallverarbeitung immer noch unter den Begriff „Kunststoff“. Genau aus diesem Grund gehen wir bei HANOS mit PLA vorsichtig um. Derzeit nehmen wir es nicht aktiv als nachhaltige Alternative auf, da wir noch nicht sicher sind, was die Gesetzgebung 2021 dazu sagen wird.


Offenbar arbeiten Sie bewusst an nachhaltigen Alternativen. Würden Sie sogar sagen, dass HANOS eine führende Rolle übernommen hat?

Bestimmt! Wir müssen mit vielen Verpackungsmaterialien umgehen und suchen immer nach Wegen, damit möglichst nachhaltig umzugehen. Produkte, die wir im Shop kaufen und verkaufen, werden fast immer in Plastik geliefert. Viele Produkte, die traditionell im Großhandel verkauft werden, sind eingeschweißt. Wir prüfen kritisch, wo wir Verpackungsmaterialien aus Kunststoff „vermeiden oder reduzieren“ können. Außerdem gibt es derzeit viele verschiedene Initiativen, wie zum Beispiel Plastiktüten in den Obst- und Gemüseabteilungen durch biologisch abbaubare Alternativen zu ersetzen. Der Vorteil für die Anwender besteht darin, dass die neue Tasche im Lebensmittel- und Gartenmüll entsorgt werden kann. Wir haben auch ein Projekt mit einem Lieferanten gestartet, um Müllsäcke zu produzieren, die zu 100 % aus recycelten Materialien bestehen. So stellen wir sicher, dass keine neuen Rohstoffe für die Produktion verwendet werden. Das ist ein gutes Beispiel für 'Reduzieren'. Ein nächster Schritt könnte sein, Müllsäcke aus all dem Plastikmüll herstellen zu lassen, der in unserer eigenen Organisation freigesetzt wird!

 

Sie sind ein großes Unternehmen und haben daher sehr viel Einfluss, um eine positive Wirkung zu erzielen. Sprechen Sie mit Ihren eigenen Lieferanten, wenn diese nicht nachhaltig arbeiten?

Wir betrachten Lieferanten, die uns Produkte aus Kunststoff liefern, kritisch. Ich denke, dass wir in 10 Jahren kaum noch Plastik in den Regalen sehen werden. Immer mehr Unternehmen suchen nach Alternativen für nachhaltige Verpackungen. Die großen Player tun dies bereits proaktiv, aber auch kleinere Anbieter müssen sich damit befassen. Wir stellen keine harten Anforderungen noch, aber ich denke, das wird in ein paar Jahren anders sein. In der Anfangsphase, als nachhaltige Verpackungen gerade erst auf den Markt kamen, hatten wir damit zu kämpfen. Wir verkaufen zum Beispiel Zuckerrohrprodukte, die dann aber in Plastikverpackungen geliefert werden. Das ist eine große Herausforderung, denn diese Verpackung dient auch als Schutz. Und als Cash-and-Carry muss man auch an das Aussehen denken. Der Kunde möchte sehen, was er kauft. 


Die gesamte Branche nachhaltig zu gestalten, ist ziemlich komplex. Das habe ich selbst beim Aufbau von Straw by Straw gemerkt. Einerseits möchte man als Start-up ein nachhaltiges Produkt anbieten, aber im Vergleich zu bestehenden Produkten sind diese oft deutlich teurer. Zwar suchen sicherlich viele Unternehmer nach einer Lösung, aber nicht alles ist praktikabel oder existiert noch. Es ist eine fortlaufende Henne-Ei-Geschichte…

Was kann die Branche Ihrer Meinung nach tun, um uns zu verbessern oder zu verändern, damit wir dies alle gemeinsam erreichen können?

Ich denke, dass auch die Regierung dabei eine Rolle zu spielen hat. Sie legen nicht nur Regeln und Verbote fest, sondern sollen auch dazu beitragen, dass die lokale Industrie nachhaltiger wird. Mir fällt auf, dass viele nachhaltige Alternativen außerhalb Europas produziert werden. Vermutlich aus Kostengründen. Durch die neuen Maßnahmen werden einige Unternehmen wirklich in Schwierigkeiten geraten. Ich kenne lokale Hersteller von Einwegartikeln aus Plastik, die sehr sauber produzieren und alle ihre Zertifikate haben. Sie haben viel investiert, aber jetzt stehen sie mit dem Rücken zur Wand. 

Im Moment sind nachhaltige Alternativen teurer, aber ich merke jetzt, dass der Abstand durch die steigende Nachfrage kleiner wird. Und wie schlimm ist es, dass ein nachhaltiges Alternativprodukt teurer ist? Ich finde es schlimmer, wenn man einen Kunden verliert, weil man es nicht tut! Denn Ihre Kunden wollen nicht mehr mit Plastik in Verbindung gebracht werden. Auch Unternehmer in der Gastronomie machen sich darüber Gedanken. Und wie wichtig sind dabei die Kosten für Verpackungsmaterial?

„Und wie schlimm ist es, dass ein nachhaltiges Alternativprodukt teurer ist? Ich finde es schlimmer, wenn man einen Kunden verliert, weil man es nicht macht!“

Viele Möglichkeiten und Entwicklungen also! Was raten Sie jungen nachhaltigen Startups, die als Foodservice erfolgreich werden wollen Lieferanten oder möchten ihre Produkte bei HANOS verkaufen?

Das ist ein sehr guter. Zusammenarbeit ist wirklich wichtig. Es gibt bestimmte Parteien auf dem Markt, die nur eine wirklich große Gruppe von Kunden bedienen. Also: Versuchen Sie, Verbindungen innerhalb dieser Art von Parteien zu finden. Startups sage ich immer: Geh zuerst auf den Markt und sprich mit den Usern. Versuchen Sie, sie zu begeistern und so einen Sog-Effekt zu erzeugen. Wenn Kunden danach fragen, übernehmen wir es natürlich selbst. Das haben Sie selbst mit Strohhalmen erlebt! Am Ende entscheidet die Nachfrage der Kunden, was in unseren Regalen steht. Stellen Sie sicher, dass Sie ein gutes und unverwechselbares Produkt und natürlich eine gute Geschichte haben. Ich wurde kürzlich von einem Startup angesprochen, das sich komplett auf Produkte aus PLA konzentriert. Mein Rat war: Schauen Sie sich zuerst die neuen Gesetze und Gesetze an, bevor Sie Ihr ganzes Geld dafür investieren.


Sp kaufen Sie nur Produkte ein, wenn Kunden danach fragen?

Manchmal kaufen wir auch proaktiv etwas zu, wenn noch keine Nachfrage besteht. Das ist der Unterschied zwischen Push und Pull. Manchmal möchte man etwas pushen, um ein neues Produkt zuerst auf den Markt zu bringen. Und dann übernehmen wir Ihre Rolle, um die Geschichte zu erzählen. Aber das ist nicht immer möglich. In diesem Fall empfehlen wir Ihnen, Ihre Geschichte zuerst selbst zu erzählen. Und wenn Sie das gut tun, wird es irgendwann durch den Sog-Effekt zu uns zurückkommen.


Zum Schluss noch eine Klischeefrage, die ich noch stellen werde: Was ist Ihr goldener Tipp für nachhaltige Schritte in der Gastronomie?

Betrachten Sie nicht nur die biologische Abbaubarkeit, sondern das Gesamtbild. Welchen Eindruck möchten Sie vermitteln und was ist Ihre Geschichte? Kunststoff hat einen schlechten Ruf, kann aber auch eine gute Lösung sein, wenn Sie ein intelligentes Recyclingsystem eingerichtet haben. Aber das Wichtigste ist: Ein gutes Umfeld beginnt bei Ihnen!

 

 

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